Von der Feder zum Computer

Schülergruppen der Paul-Gerhardt-Schule Dassel absolvierten Buchdruckworkshop in der Druckerbande Einbeck

Wie wurde Wissen verbreitet, bevor es Computer, Smartphones und Drucker gab? Und warum hat die Erfindung des Buchdrucks die Welt verändert? Diesen Fragen gingen Schülerinnen und Schüler der Paul-Gerhardt-Schule Dassel, Klasse 5c heute bei einem praxisorientierten Workshop der Druckerbande nach.

Zu Beginn knüpfte die Gruppe an bereits erworbenes Wissen aus dem Stadtmuseum an. Gemeinsam wurde erinnert: Womit wurde früher geschrieben? Wie fühlte sich das Schreiben mit Feder und Tinte an? Was war schwierig? Schnell wurde deutlich, wie viel Geduld und Konzentration früher nötig waren, um Texte von Hand anzufertigen. Als einige Schülerinnen und Schüler ein Wort mit Feder und Tinte schrieben, beobachtete die Gruppe mit einer altertümlichen Sanduhr aufmerksam: Das Schreiben war langsam und durch zuviel Tinte ungleichmäßig. Die Vorstellung, auf diese Weise ein ganzes Buch zu verfassen, sorgte für Staunen.

An dieser Stelle wurde der entscheidende Gedanke der Druckgeschichte greifbar: Johannes Gutenberg schrieb Schrift nicht mehr – er baute sie, er entwickelte ein System des „Kopierens“. Die Schülerinnen und Schüler lernten den grundlegenden Unterschied zwischen Schreiben und Setzen kennen. Während Handschrift individuell, fließend und einmalig entsteht, wird Schrift beim Setzen aus einzelnen Buchstaben zusammengesetzt und kann beliebig oft reproduziert werden. Anhand von Holzbuchstaben konnten die Kinder erleben, wie aus einzelnen Buchstaben Wörter entstehen.

Besonders spannend wurde es bei den praktischen Übungen. In kleinen Gruppen setzten die Kinder einfache Wörter. Dabei zeigte sich schnell, dass das Finden der richtigen Buchstaben Konzentration und Teamgeist verlangt. „Es war echt anstrengend beim Buchstabensetzen, weil man ja spiegeln musste.“ so eine Schülerin. Herzliches Lachen in der Runde verursachte zum Beispiel das Wort esaN, was korrekt gespiegelt Nase gehießen hätte, und schnell zum Wort des Tages gekürt wurde. Gemeinsam wurde gesetzt, kontrolliert und gedruckt. Fehler mussten entdeckt und korrigiert werden – ganz wie in einer historischen Druckerei. Dabei waren Kommunikation und Genauigkeit gefragt. Projektleiterin Patricia Magdalene Keil-Kattowitz hatte speziell für den Besuch der Schülergruppen einen handlichen Druckerballen a la Gutenberg vorbereitet. Ein mit Wolle gefülltes Rundleder, das prima in den Kinderhänden lag und mit dem die Druckerfarbe aufgenommen und auf die Letter aufgebracht werden konnte. „Das drumrumbauen, damit das Wort im Setzrahmen nicht wackelt beim Drucken, hat auch ganz schön lange gedauert.“ so der Druckerlehrling Ben. Schlussendlich haben alle Gruppen stolz ihre selbst gesetzten und gedruckten Karten in den Händen gehalten.

Neben den handwerklichen Erfahrungen stand auch die gesellschaftiche Bedeutung der Schrift im Mittelpunkt. Die Schülerinnen und Schüler diskutierten, wie sich die Welt veränderte, als Bücher plötzlich in großer Zahl hergestellt werden konnten. Mehr Bücher bedeuteten mehr Wissen, mehr Bildung und neue Möglichkeiten, Ideen zu verbreiten. Gemeinsam wurde der Vergleich gezogen: Der Buchdruck war für die Menschen des 15. Jahrhunderts ähnlich revolutionär wie das Internet für unsere heutige Gesellschaft. Auch das Hinterfragen der „Informationsgebenden“ und Wissensquellen wurde eingebracht.

Zum Abschluss schlug die Druckerbande die Brücke zur Gegenwart. Die Kinder verglichen das Schreiben mit Feder und Tinte, das Setzen von Schrift und das Tippen auf einer Tastatur. Dabei wurde deutlich, wie sehr sich die Werkzeuge verändert haben – und gleichzeitig, wie wichtig Schrift als Grundlage von Kommunikation geblieben ist.

Der Workshop verfolgte das Ziel, die Entwicklung von der Handschrift über den Buchdruck bis zur digitalen Schriftkultur verständlich und erlebbar zu machen. Durch eigenes Ausprobieren konnten die Schülerinnen und Schüler nicht nur historische Drucktechniken kennenlernen, sondern auch erfahren, wie eng Schrift, Handwerk, Kreativität und gesellschaftlicher Wandel miteinander verbunden sind.

Die Druckerbande versteht sich als Vermittlerin des immateriellen Kulturerbes Druckkunst. Der Besuch der PG Dassel zeigte eindrucksvoll, wie historische Kulturtechniken auch heute noch faszinieren und junge Menschen dazu anregen können, die Geschichte der Medien und Kommunikation mit allen Sinnen zu entdecken.

„Ich freue mich, dass die Druckerbande als ausserschulischer Lernort wahrgenommen und genutzt wird. Die besondere und ungezwungene Atmosphäre in der historischen Werkstatt vermitteln auch schon ein gewisses Flair.“ so Patricia Keil-Kattowitz.

Gefördert wurde der Austausch von der ZuJuk Stiftung:

Zukunftsstiftung Jugend – Umwelt – Kultur

Der Zweck der Stiftung ist die Förderung der Jugend mit Schwerpunkt Umwelt und Kultur. Dies soll insbesondere durch solche Projekte erfolgen, die Kreativität, Eigeninitiative, Persönlichkeit und interkulturelle Toleranz von Jugendlichen fördern.

Wir danken der ZuJuK für die Förderung dieser Kulturexkursion der Paul-Gerhardt-Schule am 2. und 3. Juni 2026.

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