Endlich wieder GAPP! Der deutsch-amerikanische Schüleraustausch an der Goetheschule hat auch uns als Kulturverein die Freude bereitet, wieder einmal ein wenig internationalen Dialog zu erleben. Diesmal haben wir die Schülerinnen und Schüler aus Deutschland und den USA in die DruckerBande eingeladen – dorthin, wo das immaterielle Kulturerbe Druckkunst durch aktive kreative Workshops lebendig gehalten wird.
Nach der Begrüßung in der historische Kunstdruckwerkstatt entführten wir die Gruppe in eine andere Zeit, in der gekonntes Handwerk noch das tägliche Leben bestimmte. Die Geschichte des Einbecker Zeitungsdrucks und die Entwicklung des Druckhandwerks über viele Jahrzehnte sind in den Räumen der DruckerBande überall zu spüren. Zwischen historischen Maschinen, Satzkästen und Druckerpressen konnten die Schülerinnen und Schüler ein Gespür dafür bekommen, wie elementag den Siegeszug des gedruckten Wort das Leben der Menschen bis zum heutigen Tag änderte. Besonderen Eindruck hinterließ der Heidelberger Tiegel aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Eine Maschine, die bis heute aktiv genutzt wird – und das auch in Druckereien, die täglich aktuelle Kundenaufträge erfüllen.
Im Anschluss an die Einführung in die Geschichte des Buchdrucks und die Geschichte dieser Werkstatt ging es dann für alle Schüler:innen praktisch an Werk: Unter der Anleitung von Patricia Keil gestalteten die amerikanischen Gäste im Direktdruckverfahren individuelle Stofftaschen. Besonders beliebt waren Motive mit Bezug zu Einbeck und zur Goetheschule – darunter Fachwerkhäuser, Hopfen, Oldtimer und natürlich das Goethe-Logo. Mit viel Kreativität und Geschick entstanden so persönliche Erinnerungsstücke an den Aufenthalt in Einbeck. Jede Tasche wurde zu einem Unikat und erzählt ihre eigene Geschichte.
Die gemeinsame Zeit in der DruckerBande machte spürbar, wie lebendig sich Geschichte, Handwerk und kultureller Austausch miteinander verbinden lassen. Die selbst gestalteten Taschen werden die Jugendlichen auf der anderen Seite des großen Teiches sicher noch lange an ihre Zeit in Einbeck erinnern – und vielleicht auch daran, dass Druckkunst Menschen, Ideen und Kulturen über Ländergrenzen hinweg miteinander verbindet.
https://druckerviertel.de/wp-content/uploads/2026/06/2026-06-18-GAPP-at-DruckerBande-011.jpg15001125Martin Keilhttps://druckerviertel.de/wp-content/uploads/2021/10/DruckerVietelLogo-WS.jpgMartin Keil2026-06-30 14:58:052026-06-30 20:20:10GAPPys zu Gast in der DruckerBande – Art for Export
Unsere kunsthistorische Druckwerkstatt „DruckerBande“ freut sich über eine bedeutende technische Ergänzung. Im Rahmen der Offenen Werkstatt am Mittwoch, den 16. Juni 2026, wurde eine neu erworbene Tiefdruckpresse offiziell von Claudia Binder den aktivem Team der Druckerinnen und Drucker vorgestellt.
Herkunft und kunsthistorischer Hintergrund
Die Tiefdruckpresse ist eine Schenkung von Dr. Lothar Sütterlin. Der promovierte Physiker hat zeit seines Lebens intensiv im Bereich des Hoch- und Tiefdrucks gearbeitet. Die Verbindung zur DruckerBande entstand über Claudia Binder (Suterode) während eines Aufenthalts an der Europäischen Kunstakademie Trier, wo sie gemeinsam mit Dr. Sütterlin Druckworkshops absolvierte. Als Dr. Sütterlin altersbedingt nach einer neuen Werkstatt für seine Presse suchte, konnte Claudia Binder das Gerät für die DruckerBande akquirieren.
Bemerkenswert ist auch der familiäre Hintergrund des Spenders: Dr. Lothar Sütterlin ist der Großneffe des Grafikers Ludwig Sütterlin, welcher der Nachwelt als Schöpfer der Sütterlinschrift bekannt ist.
Technische Verbesserung im Werkstattbetrieb
Die Neuanschaffung optimiert die Arbeitsabläufe im Tiefdruckbereich erheblich. Die bisher in der DruckerBande genutzte Presse verfügt über keinen Mechanismus, um die Druckwalze vom Drucktisch anzuheben; bei ihr lässt sich lediglich der Druck der ohnehin sehr schweren Walze erhöhen. Die neue Tiefdruckpresse hingegen erlaubt eine wesentlich feinere Justierung.
Die bisherige, weniger flexibel einstellbare Presse bleibt der Werkstatt dennoch erhalten. Das Gerät, welches der DruckerBande einst von Bärbel und Rolf-Dieter Spann (Inhaber der Collage Dassel) überlassen wurde, verbleibt vor Ort und wird auch künftig gelegentlich zum Einsatz kommen.
Erste Einsätze und Einladung zur Besichtigung
Die praktische Einweihung der neuen Presse erfolgt am Montag, den 13. Juli, im Rahmen eines ganztägigen Tiefdruck-Workshops, welcher bereits ausgebucht ist.
Wer Interesse hat, die neue Tiefdruckpresse sowie die zahlreichen weiteren historischen Druckmaschinen der Werkstatt aus der Nähe zu betrachten und sich über die Arbeit der DruckerBande zu informieren, ist herzlich eingeladen, die Werkstatt an einem der kommenden Samstage zu besuchen, denn Samstags zwichen 11 und 13 Uhr öffnet die DruckerBande in der Regel ihre Türen für Besucher.
https://druckerviertel.de/wp-content/uploads/2026/06/260617_druckerbande_tiefdruckpresse_05.jpg10001500Martin Keilhttps://druckerviertel.de/wp-content/uploads/2021/10/DruckerVietelLogo-WS.jpgMartin Keil2026-06-17 19:53:582026-06-17 19:54:00Zuwachs in der Werkstatt: Neue Tiefdruckpresse erweitert die Möglichkeiten der DruckerBande
Seit 27 Jahren gehört das Vater-Kind-Zelten der Väter des Regenbogenkindergartens Einbeck fest zum Jahresprogramm. Mit viel Engagement organisieren die Väter diese besondere Auszeit, bei der Gemeinschaft, gemeinsame Erlebnisse und wertvolle Zeit miteinander im Mittelpunkt stehen. Der Kindergarten unterstützt die Aktion, stellt die Fläche zum Zelten und Grillen zur Verfügung und ermöglicht so Jahr für Jahr ein Wochenende voller Erinnerungen. Traditionell gehört dazu auch ein kulturelles Angebot, das jedes Jahr neue Akzente setzt.
In diesem Jahr führte der gemeinsame Ausflug 13 Väter mit ihren Kindern und deren Geschwistern in die interaktive Kunstdruckwerkstatt Druckerbande. Nach einer kurzen Einführung gab es kein festes Programm und keine Vorgaben – stattdessen waren Kreativität, Fantasie und gemeinsames Ausprobieren gefragt. Mitgebrachte T-Shirts und Taschen wurden zu individuellen Kunstwerken: Oldtimer, Fachwerkhäuser, coole Eulen oder der eigene Name fanden ihren Weg auf Stoff und verwandelten Alltagsgegenstände in persönliche Erinnerungsstücke.
Besonders wertvoll war dabei nicht das fertige Ergebnis allein, sondern der gemeinsame Prozess. Väter und Kinder arbeiteten Seite an Seite, halfen sich gegenseitig, lachten, experimentierten und erlebten, wie aus einer Idee Schritt für Schritt etwas Eigenes entsteht. Die liebevoll gestalteten Drucke werden die Kinder noch lange begleiten und sie an einen besonderen Tag erinnern, der ganz ihnen und ihren Vätern gehörte.
Genau solche Begegnungen machen auch die Arbeit der Druckerbande aus. Als soziokulturelles Projekt schafft sie Räume, in denen Menschen unabhängig von Alter, Herkunft oder Vorkenntnissen gemeinsam kreativ werden können. Hier geht es nicht um Perfektion, sondern um Teilhabe, gemeinsames Erleben und die Freude daran, mit den eigenen Händen etwas zu gestalten. So entstehen nicht nur Drucke und Kunstwerke, sondern vor allem Begegnungen, Gespräche und Erinnerungen, die weit über den Moment hinaus wirken.
https://druckerviertel.de/wp-content/uploads/2026/06/Regenbogen-Vater-Kind-Zelten-2026-at-DB-005.jpg800702Martin Keilhttps://druckerviertel.de/wp-content/uploads/2021/10/DruckerVietelLogo-WS.jpgMartin Keil2026-06-15 22:14:202026-06-15 22:14:22Wenn der Vater mit dem Kinde DRUCK macht
Schülergruppen der Paul-Gerhardt-Schule Dassel absolvierten Buchdruckworkshop in der DruckerbandeEinbeck
Wie wurde Wissen verbreitet, bevor es Computer, Smartphones und Drucker gab? Und warum hat die Erfindung des Buchdrucks die Welt verändert? Diesen Fragen gingen Schülerinnen und Schüler der Paul-Gerhardt-Schule Dassel, Klasse 5c heute bei einem praxisorientierten Workshop der Druckerbande nach.
Zu Beginn knüpfte die Gruppe an bereits erworbenes Wissen aus dem Stadtmuseum an. Gemeinsam wurde erinnert: Womit wurde früher geschrieben? Wie fühlte sich das Schreiben mit Feder und Tinte an? Was war schwierig? Schnell wurde deutlich, wie viel Geduld und Konzentration früher nötig waren, um Texte von Hand anzufertigen. Als einige Schülerinnen und Schüler ein Wort mit Feder und Tinte schrieben, beobachtete die Gruppe mit einer altertümlichen Sanduhr aufmerksam: Das Schreiben war langsam und durch zuviel Tinte ungleichmäßig. Die Vorstellung, auf diese Weise ein ganzes Buch zu verfassen, sorgte für Staunen.
An dieser Stelle wurde der entscheidende Gedanke der Druckgeschichte greifbar: Johannes Gutenberg schrieb Schrift nicht mehr – er baute sie, er entwickelte ein System des „Kopierens“. Die Schülerinnen und Schüler lernten den grundlegenden Unterschied zwischen Schreiben und Setzen kennen. Während Handschrift individuell, fließend und einmalig entsteht, wird Schrift beim Setzen aus einzelnen Buchstaben zusammengesetzt und kann beliebig oft reproduziert werden. Anhand von Holzbuchstaben konnten die Kinder erleben, wie aus einzelnen Buchstaben Wörter entstehen.
Besonders spannend wurde es bei den praktischen Übungen. In kleinen Gruppen setzten die Kinder einfache Wörter. Dabei zeigte sich schnell, dass das Finden der richtigen Buchstaben Konzentration und Teamgeist verlangt. „Es war echt anstrengend beim Buchstabensetzen, weil man ja spiegeln musste.“ so eine Schülerin. Herzliches Lachen in der Runde verursachte zum Beispiel das Wort esaN, was korrekt gespiegelt Nase gehießen hätte, und schnell zum Wort des Tages gekürt wurde. Gemeinsam wurde gesetzt, kontrolliert und gedruckt. Fehler mussten entdeckt und korrigiert werden – ganz wie in einer historischen Druckerei. Dabei waren Kommunikation und Genauigkeit gefragt. Projektleiterin Patricia Magdalene Keil-Kattowitz hatte speziell für den Besuch der Schülergruppen einen handlichen Druckerballen a la Gutenberg vorbereitet. Ein mit Wolle gefülltes Rundleder, das prima in den Kinderhänden lag und mit dem die Druckerfarbe aufgenommen und auf die Letter aufgebracht werden konnte. „Das drumrumbauen, damit das Wort im Setzrahmen nicht wackelt beim Drucken, hat auch ganz schön lange gedauert.“ so der Druckerlehrling Ben. Schlussendlich haben alle Gruppen stolz ihre selbst gesetzten und gedruckten Karten in den Händen gehalten.
Neben den handwerklichen Erfahrungen stand auch die gesellschaftiche Bedeutung der Schrift im Mittelpunkt. Die Schülerinnen und Schüler diskutierten, wie sich die Welt veränderte, als Bücher plötzlich in großer Zahl hergestellt werden konnten. Mehr Bücher bedeuteten mehr Wissen, mehr Bildung und neue Möglichkeiten, Ideen zu verbreiten. Gemeinsam wurde der Vergleich gezogen: Der Buchdruck war für die Menschen des 15. Jahrhunderts ähnlich revolutionär wie das Internet für unsere heutige Gesellschaft. Auch das Hinterfragen der „Informationsgebenden“ und Wissensquellen wurde eingebracht.
Zum Abschluss schlug die Druckerbande die Brücke zur Gegenwart. Die Kinder verglichen das Schreiben mit Feder und Tinte, das Setzen von Schrift und das Tippen auf einer Tastatur. Dabei wurde deutlich, wie sehr sich die Werkzeuge verändert haben – und gleichzeitig, wie wichtig Schrift als Grundlage von Kommunikation geblieben ist.
Der Workshop verfolgte das Ziel, die Entwicklung von der Handschrift über den Buchdruck bis zur digitalen Schriftkultur verständlich und erlebbar zu machen. Durch eigenes Ausprobieren konnten die Schülerinnen und Schüler nicht nur historische Drucktechniken kennenlernen, sondern auch erfahren, wie eng Schrift, Handwerk, Kreativität und gesellschaftlicher Wandel miteinander verbunden sind.
Die Druckerbande versteht sich als Vermittlerin des immateriellen Kulturerbes Druckkunst. Der Besuch der PG Dassel zeigte eindrucksvoll, wie historische Kulturtechniken auch heute noch faszinieren und junge Menschen dazu anregen können, die Geschichte der Medien und Kommunikation mit allen Sinnen zu entdecken.
„Ich freue mich, dass die Druckerbande als ausserschulischer Lernort wahrgenommen und genutzt wird. Die besondere und ungezwungene Atmosphäre in der historischen Werkstatt vermitteln auch schon ein gewisses Flair.“ so Patricia Keil-Kattowitz.
Gefördert wurde der Austausch von der ZuJuk Stiftung:
Zukunftsstiftung Jugend – Umwelt – Kultur
Der Zweck der Stiftung ist die Förderung der Jugend mit Schwerpunkt Umwelt und Kultur. Dies soll insbesondere durch solche Projekte erfolgen, die Kreativität, Eigeninitiative, Persönlichkeit und interkulturelle Toleranz von Jugendlichen fördern.
Wir danken der ZuJuK für die Förderung dieser Kulturexkursion der Paul-Gerhardt-Schule am 2. und 3. Juni 2026.
https://druckerviertel.de/wp-content/uploads/2026/06/PG-Dassel_DruckerBande2026-7.jpg800699Martin Keilhttps://druckerviertel.de/wp-content/uploads/2021/10/DruckerVietelLogo-WS.jpgMartin Keil2026-06-03 23:26:472026-06-04 00:00:02Von der Feder zum Computer