Warum das Handwerk zurück in die Stadt gehört – ein Besuch in der Steintorpresse in Bremen
Was haben die Hamburger Elbphilharmonie und eine kleine, versteckte Werkstatt im Bremer Viertel gemeinsam? Mehr, als man auf den ersten Blick vermutet. Bei unserem letzten Familienausflug hat es uns in den „Medienhaven“ zur Steintorpresse verschlagen. Dort haben wir nicht nur Peer Rüdiger und sein Team getroffen, sondern auch ein Stück
Zwischen High-Tech und Heidelberger Tiegel
Der Empfang war herzlich und direkt – typisch für einen Ort, an dem noch richtig gearbeitet wird. Peer hat uns dann beispielsweise eines seiner Vorzeigeprojekte gezeigt: die „Mini-Elphi“. Ein filigranes Papierobjekt, das wir sogar selbst zusammenfalten durften.
Das Faszinierende daran ist die Herstellung. Während die Welt um uns herum immer digitaler wird, setzt Peer für solche Arbeiten auf den klassischen Original Heidelberger Drucktiegel. Die Maschine aus einer anderen Ära ist hier kein Museumsstück, sondern ein Arbeitstier. Peer nutzt sie zum Stanzen und Falzen – egal ob Flächen präzise ausgeschnitten oder Kanten für komplexe Faltungen vorbereitet werden müssen. Es ist faszinierend zu sehen, wie eine mechanische Präzision, die heute kaum noch neu gebaut wird, moderne Designobjekte spielend möglich macht.lebendige Industriekultur erlebt.
Besonders interessant:
Wenn man bei uns in der DruckerBande beim Anblick unseres Original Heidelberger Drucktiegel schon ins Stauen gerät, so wird man in der Steintorpresse noch einmal mehr fasziniert sein. Denn hier gibt es die historische Presse auch noch mit Fußantrieb. Hier wäre local manufacturing also auch dann noch möglich, wenn wir es mit akuter Energiekanppheit zu tun bekämen.
Local Manufacturing: Ein Statement gegen die reine Dienstleistungsgesellschaft
Im Gespräch mit Peer wurde uns auch klar: Hier geht es um mehr als „nur“ um Drucksachen. Es geht um eine Überzeugung. In den letzten Jahrzehnten hat sich das produzierende Gewerbe fast unbemerkt aus unseren Innenstädten verabschiedet. Die Folge? Wir haben massiv an Wissen verloren – sowohl über das Produzieren als auch über das Reparieren.
Wenn die Produktion auf die „grüne Wiese“ oder gleich ins Ausland abwandert, entstehen Abhängigkeiten und endlose Lieferketten für einfachste Produkte. Peer steuert hier bewusst dagegen. Ein von ihm begeistert mit Leben gefülltes Motto ist das Local Manufacturing. Er hat seine Produktionsstätte fest im Herzen der Stadt verankert, setzt auf den persönlichen Kontakt und zeigt, dass eine Stadt ohne produzierendes Gewerbe Gefahr läuft, ihre Identität zu verlieren. Kann man eine reine Dienstleistungsgesellschaft am Ende überhaupt noch „produktiv“ nennen, wenn niemand mehr weiß, wie man Dinge erschafft?
Ein Geist, zwei Werkstätten
Dieser Austausch war für uns als Team vom Druckerviertel unglaublich inspirierend. Auch wenn wir mit unserer DruckerBande einen etwas anderen Fokus haben – bei uns steht die Druckkunst im Vordergrund –, so eint uns doch derselbe Kern: der Erhalt und die Nutzung historischer Druckmaschinen und somit das Wissen darum, wie man vor Ort noch selbst etwas herstellt.
Es ist der Wunsch nach dem haptischen Erleben, das Wissen um Mechanik und die Liebe zum Detail, das uns verbindet. Ob in Bremen oder bei uns – es geht darum, Technik nicht nur zu museal vorzuhalten, sondern sie zu beherrschen und mit ihr Neues zu schaffen.
Der Besuch bei Peer und der Steintorpresse war wie eine Frischzellenkur für den Kopf. Es ist schön zu wissen, dass es Mitstreiter gibt, die das Handwerk nicht nur als Tradition verstehen, sondern als notwendigen Baustein für eine zukunftsfähige, lokale Wirtschaft.

Hier wird wieder mit dem Lastenrad geliefert
Und wer uns kennt, kennt auch unsere Leidenschaft für’s Lastenrad….
Klar, dass wir auch hier in der Steintorpresse auf offene Ohren und ein lässiges Liefer-Lastenrad gestoßen sind.
Schaut mal vorbei, wenn ihr in Bremen seid – es ist wie in kleiner Urlaub im Urlaub!
Oder habt ihr einen ganz besonderen Druckerproduktwunsch? Hier kann er erfüllt werden:












